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Wort zum Tag: zu Christsein am Arbeitsplatz
(Word of the Day: Faith in the Workplace)

SWR 2 - Wort zum Tag - Sonntag, 18. Februar 2001
Evangelische Kirche - Werner Schwartz - zu Christsein am Arbeitsplatz

Dekan Dr. Werner Schwartz

Christsein ist etwas für den Sonntag, weniger für den Alltag. Das ist die gängige Meinung.

Am Sonntag fromm sein, vielleicht in die Kirche gehen. Neben dem, was man sonntags sonst so tut. Rausgehen in die Natur, wandern oder radfahren, Freunde besuchen, ein Buch lesen, in ein Konzert gehen oder einfach etwas Ordnung bringen in das Chaos, das der Alltag gelegentlich hinterläßt. Das alles ist gut für Körper und Seele.

Sicher auch: fromm sein, in die Kirche gehen, dem lieben Gott einen Platz im Leben einräumen. Damit man auch mit den letzten Fragen im Leben halbwegs ins reine kommt.

Aber dann kommt wieder der Alltag. Und mit ihm seine Geschäfte. Die Firma, der Beruf, die Arbeit. Da herrschen augenscheinlich andere Gesetze als die des Sonntags. Wer in den Alltag geht, läßt den Sonntag hinter sich.

In der Sonntagspredigt ist von der Barmherzigkeit Gottes zu hören und von der Nächstenliebe unter Menschen. So allgemein formuliert, klingt es plausibel. - Aber es tun sich Fragen auf, sobald es am Werktag konkret wird: Steht es nicht in Spannung zu der Botschaft von Gottes Liebe für alle, wenn Menschen sich auf Profit und materielle Segnungen orientieren, auf Fortkommen und Selbstverwirklichung? Wie gehen Menschen, die als Christen leben wollen, mit den ganz normalen Konflikten um im Beruf und in der Familie, unter Freunden? Die eigenen Interessen durchsetzen oder die der anderen respektieren? Nachgeben gar, zurückstecken, verzichten?

Wie wirkt der Segen denn, mit dem jeder Gottesdienst schließt, in den Alltag hinein? Wie begleitet er hinaus in die Welt, aus dem Gotteshaus in den Werktag des Lebens? Wie gelingt es, Gottes Segen und Gottes Kraft mitzunehmen in den Alltag mit all seinen Anforderungen und Belastungen, mit seinen oft so ganz anderen Regeln?

Viel zu selten werden diese Fragen ernsthaft behandelt, in Sonntagspredigten selten und selten in den Alltagsgesprächen am Arbeitsplatz oder in der Familie.

Glaube und Arbeitswelt sind auseinandergetreten. Christsein ist das eine, die Arbeit das andere, und beide Sphären sind voneinander isoliert. Das eine hat mit dem anderen kaum etwas zu tun. - Die gängige Vermutung eben: Christsein ist etwas für den Sonntag, weniger etwas für den Alltag.

Wer das eine wie das andere ernstnimmt, den christlichen Glauben und die Arbeitswelt, kann damit nicht zufrieden sein. Immerhin bestimmt die Arbeit weite Bereiche des Lebens, und der christliche Glaube beansprucht, das gesamte Verhalten zu leiten.

Da kann es helfen, einen Blick auf das zu werfen, was Kirchen in Amerika tun: Den Glauben und die Arbeit miteinander im Gespräch halten. Christen treffen sich in den Gemeinden zum Gespräch miteinander, zum Beispiel in den Bibelgruppen der Sonntagsschule eine Stunde vor dem Gottesdienst. Sie tauschen sich aus über ihre Erfahrungen mit dem Sonntagsglauben im Alltag ihres Lebens. - Nicht daß sie einfache Rezepte hätten. Aber sie wissen, was von ihnen verlangt wird im Beruf und in der Familie, und sie vergegenwärtigen sich, was die Bibel, die jüdisch-christliche Tradition ihnen als Verhalten empfiehlt. Und sie verständigen sich darüber, wie das eine mit dem anderen zusammenzubringen ist. Damit Sonntag und Werktag nicht so weit auseinanderklaffen und das Unbehagen schwindet, in zwei voneinander getrennten Welten zu leben.

Es gibt es sogar schon - typisch amerikanisch - eigene Institute, die sich diesen Fragen widmen. Eins davon nennt sich Avodah, nach einem hebräischen Wort, das im Alten Testament beides bezeichnet, die Arbeit im Beruf, auf dem Acker und den Gottesdienst, den Kultus. Was auseinanderdriftet, soll integriert werden: die Ratschläge des Glaubens und die Erwartungen des Berufs.

Ein spannendes Unterfangen. Im Gespräch sein über den Glauben und den Alltag. Der Austausch mit anderen hilft, eine Brücke zu schlagen über den Graben, der sich auftut zwischen beiden.

Der Austausch untereinander hilft, weil niemand allein bleibt. Weil es gut tut zu sehen, wie andere die gleichen Probleme angehen. Weil es leichter fällt, sich dem Konflikt der Werte dort zu stellen. Auch weil man sich eher traut, Werte der jüdisch-christlichen Tradition im Alltag umzusetzen, ansatzweise wenigstens, wenn man weiß, andere sind ebenso bemüht darum.

Darüber kann sich dann sogar das Vorurteil abschwächen, Christsein sei etwas für den Sonntag, weniger etwas für den Alltag.

 

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Japan - Newsweek
The Japanese language edition of Newsweek ran a story referencing Avodah "Spirituality." 9/6/01

Germany - "Wort zum Tag: zu Christsein am Arbeitsplatz"
(Word of the Day: Faith in the Workplace)
, a radio broadcast by Dr. Werner Schwartz, on Germany's station SWR2, "Word of the Day" program. 2/18/01

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